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"Karl Nagel ist für seine patriarchalen und faschistoiden Positionen bekannt. Er mißbraucht Menschen und Zusammenhänge."
Mein alter Automaten-Intimus Alvons Diehmer so oder ähnlich anno 2000.
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| 1981-87 |
| Punk |
Nach meiner Niederlage bei FANTASTRIPS wußte ich, daß mir in vielen Dingen noch die nötige Kaltschnäuzigkeit fehlte. Außerdem war ich nicht in der Lage, meinen Einfluß auf Leute beständig wirken zulassen.
Mir fehlte einfach die Lebenserfahrung. Ich war zu weich, zu gutmütig, zu ängstlich, zu vorsichtig. Und außerdem hatte ich bis dahin keine sexuellen Erfahrungen - ein unerläßlicher Baustein einer gesunden Persönlichkeit!
In dieser ernsten und schweren Situtation entschloß ich mich zu einem radikalen Schritt: Ich schmiß meinen Job als Industriekaufmann, warf mich in eine Lederjacke und ließ mir aus meinen halblangen Haaren eine echte Punk-Frisur zurechtschnippeln.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich waren: Bereits am ersten Tag bekam ich auf die Schnauze, und in der darauffolgenden Nacht fand ich mich in den Armen eines schönen Mädchens wieder. Ein Erfolg auf ganzer Linie!
Als Zeichen meiner unglaublichen Durchschlagkraft klemmte ich mir einen großen Zimmermannsnagel in ein Hundehalsband, und unter dem neuen Namen Karl Nagel machte ich mich an mein nächstes Projekt auf dem Weg zu Geld, Macht und Ruhm.
Es gelang mir nämlich, die Wuppertaler Punks, Skinhead und Teds mit der Idee vollzuquatschen, sich nicht mehr länger gegenseitig auf die Schnauze zu hauen. Stattdessen sollten sie die neue Eintracht lieber bei großen Meetings in der City feiern. Die Idee, die später zu den Hannoveraner Chaos-Tagen führen sollte, war geboren.
Ich schrieb also Flugblätter, verteilte und verschickte diese emsig, so daß die Treffen Monat für Monat größer wurden. Polizei und Geschäftsleute waren natürlich nicht begeistert von diesen Störungen der Ordnung, so daß es schließlich im Mai 1982 zu einer regelrechten Schlacht kam, bei der ich über 300 Punks, Skins und Teds erfolgreich gegen die Polizei in den Kampf schickte.
Und wieder einmal mußte ich für Fehler büßen: Natürlich konnte sich die Polizei eine derartige Niederlage nicht bieten lassen und ging mit einer Hausdurchsuchung gegen mich vor.
Wieder einmal war ich geschlagen, aber das sollte das letzte Mal gewesen sein. Denn mit meinem Entschluß, das provinzielle Wuppertal zu verlassen und stattdessen in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover noch einmal einen radikalen Neuanfang zu starten, begann eine unglaubliche Erfolgsstory, die bis heute andauert.
Denn ab sofort handelte ich strikt nach folgenden Regeln:
1. Stelle Dich nie in die 1. Reihe. Wenn's eng wird, schicke immer zunächst andere vor!
2. Erzähle allen, daß Du Demokrat bist. Im Ernstfall aber sei ein Diktator! Predige Harmonie, Eintracht und Solidarität, aber bestimme alle Einzelheiten, wie diese Werte durchgesetzt werden! Bilde ein Kollektiv, um Deine Alleinherrscht zu verschleiern!
3. Deine Freunde kannst Du belügen, die Polizei nicht! Suche immer ein vertrauensvolles Verhältnis zur Staatsmacht!
4. Geld ist wichtig, aber behaupte immer das Gegenteil!
5. Nimm immer an, daß Dich alle betrügen wollen - also betrüge sicherheitshalber alle anderen!
6. Suche Dir starke Freunde, die Dich im Ernstfall aus unangenehmen Situationen heraushauen können!
7. Meide intelligente Menschen. Sie könnten Dich durchschauen. Suche Dir stattdessen eine Gruppe von Menschen, die sich nach einem Führer sehnt!
8. Verliere nie die Kontrolle über eine Situation! Predige Kontinuität, aber sei bereit, sofort den Kurs zu wechseln!
9. Laß es nie zu, daß Frauen Deine Entscheidungen beeinflussen!
10. Entledige Dich Menschen, von denen Du nicht profitieren kannst!
11. Sei schneller als Deine Feinde und Kritiker! Wechsele unverzüglich die Operationsbasis, bevor der Druck zu groß wird!
In Hannover angekommen, ging ich geradewegs und diszipliniert nach diesen Regeln vor. Zunächst einmal suchte ich zu meinenm persönlichen Schutz die Freundschaft von rechtsradkalen Skinheads, denen ich die Nazi-Ideologie austreiben konnte, so daß sie mich als ihren Mentor und Retter anerkannten. Auf Punk-Seiten engagierte ich mich in der ein Jahr zuvor gegründeten Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands (APPD) und organisierte eine Demonstration für die Wiedereinführung der Todesstrafe.
Meine nächste Maßnahme sollte sich als Schritt wahrhaft historischen Ausmasses erweisen: Eine nichtige Angelegenheit - eine von der Polizei geführte Kartei über verdächtige Punks war gerade enttarnt worden - blies ich zum Anlaß für den ersten Hannoveraner Chaos-Tag auf, dem in den beiden folgenden Jahren weitere Treffen folgten.
Mit der hannoverschen Skinheadszene pflegte ich weiter die guten Beziehungen. Skinheadführer Mario Jacob wurde mein persönlicher Bodyguard, bis ich 1984 erkannte, daß seine rechtsradikale Einstellung schlecht für mein Image war und ich mich deshalb von ihm trennte.
Auch in Fragen des richtigen Outfits arbeitete ich hart an meinem Image. Ich achtete genau auf ein perfektes Punk-Styling und hatte stets die meisten Nieten auf der Jacke wie auch die längsten Stachelhaare im Ort. All dies brachte mir große Anerkennung in der Punkszene und täuschte darüber hinweg, daß ich als strikter Abstinzenzler an den diversen Alkohol- und Drogenexzessen nie teilnahm.
Parallel dazu arbeitete ich an zwei weiteren Schwerpunkten meiner Karriere. Ich riß die politische Führung der APPD de facto an mich und führte die Partei zu neuen Höhenflügen. Gleichzeitig besorgte ich mir mit der Band ALTE KAMERADEN ein musikalisches Standbein, das schließlich nach einigen konzeptionellen und personellen Änderungen zu den Bands PREUSSENS GLORIA und MORBID OUTBURST führte.
Mit dem Niedergang des Punk in diesen Jahren wurde die Szene zunehmend uninteressanter für mich. Stattdessen wandte ich mich der Hardcore-Szene zu, weil mir deren Vertreter leistungsfähiger, aber nicht unbedingt klüger erschienen. Auf jeden Fall konnte man den Hardcores mehr Schallplatten, Shirts und anderes Produkte verkaufen, weshalb ich 1987 meine Nietenlederjacke auszog, mir die Haare wachsen ließ und beim Plattenversand FRONTLINE einstieg. Und dort lernte ich dann, daß man auch den letzten Dreck verkaufen kann... |
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- Startschuß!
- Geboren in Wuppertal als Sproß einer Arbeiterfamilie (1960)
- Schullaufbahn
- Grundschule - Gymnasium - Hauptschule - Höhere Handelsschule (1967-79)
- Rot Front!
- Erste politische Erfahrungen als Maoist und Unabhängiger Linker (1976-81)
- Gorgol
- Meine erste Erfahrung als Herausgaber einer Zeitschrift! (1978-79)
- Fantastrips
- Herausgabe des Magazins für phantastische Illustration. (1979-81)
- Punk
- Die wichtigste Phase in meinem Leben. (1981-87)
- Chaos-Tage
- Drahtzieher der mehrmaligen totalen Vernichtung von Hannover! (1982-84,94-2000)
- APPD
- Start der politischen Karriere (1982-86,94-99)
- Hackfleisch
- Ein Punk-Fanzine wird zur Legende! (1982-87)
- Alte Kameraden
- Mein Einstieg in die musikalische Karriere (1984-85)
- Preussens Gloria
- Erste Musik-Veröffentlichung. (1985-86)
- Morbid Outburst
- Erster Plattendeal durch Provo-Theater. (1986-87)
- Frontline
- Aktivitäten beim FUNHOUSE/FRONTLINE-Versand (1987-89)
- Spirit Family
- Nichts als Opium für die Massen! (1988-91)
- Militant Mothers
- Der erfolgreichste und abschließende Baustein meiner musikalischen Karriere. (1988-92)
- ZAP-Sonderausgaben
- Profitables Publizieren durch das Wiederaufleben der Hannoveraner Chaos-Tage. (1994-95)
- Bunkerbriefe
- Karl Nagels Standardwerk über, das Leben, das Universum, Punk & Politik. (1995-2001)
- Cannibal Home Channel
- Medienmanipulation und Erzeugung von Massenpsychosen per Informationsvergiftung. (1996)
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