"Klar bin ich gegen die Todesstrafe. Nur bei Nazis, da wär ich dafür! Damit Schluß ist mit dem brauen Dreck!"
Statement eines nachdenklichen, antifaschistischen Punks...
 
     
 
Bunkerbrief Nr.19/1.4.2001
Die Angst des Überläufers vorm Elfmeter!
Über die hohe Kunst des richtigen Überlaufens: Weshalb, Wann, Wohin!

Leute, ich kann Eure Gedanken lesen: "Karl Nagel verarscht sie mal wieder alle!" steht da in großen Lettern, und ich schlage mir voller Vergnügen auf die Schenkel! Es ist doch auch wirklich irre, daß ich Euch hier absolut wahre Geschichten erzählen kann, ihr mir aber überhaupt kein Wort glaubt! "Ha, Nagel läuft zu Christian Worch über! Geiler Witz!" Daß Ihr Euch ja nicht täuscht, liebe Freunde...

Aber so bleiben immerhin die wüsten Drohungen und Beschimpfungen aus. Da haben wohl ein paar Leute gerade richtig Angst, sich lächerlich zu machen...

Dabei liegen bei einem Egomanen wie mir die Dinge doch klar auf dem Tisch: Wirf einfach mal einen Blick auf die Startseite von www.karlnagel.de, und Du bekommst "gleich am Anfang die Message, dass Du mal ein hübscher Kerl warst, aber was nützt das jetzt noch?" - so eine mir unbekannte Martina neulich in einem Mail an mich. Achtung: Die Betonung liegt hier auf "WARST"!

Ja, scheiße, sie hat natürlich den Nagel auf den Punkt getroffen: Meine Zeit als Underground-Rebell voll jugendlicher Frische ist unwiderruflich vorbei - ich bin tatsächlich vor einigen Monaten VIERZIG geworden! Ein Alter, in dem einem klar wird, daß bestimmte Sachen wirklich gelaufen sind. Auf Punkkonzerten rumhängen, ganze Tage in irgendwelchen Fußgängerzonen verbringen, mit irgendwelchen durchgeknallten oder fertigen Gestalten immer wieder die gleichen Dinge erleben; es reicht einfach, die Schnauze voll oder gar noch peinlich obendrein.

Das sehen ja die heldenhaften Rebellen von heute übrigens genauso - für die ist ein alter Sack wie ich ja schon aufgrund seines Alters längt auf der anderen Seite!

=> Also: Wenn nicht zu denen, wo sonst gehöre ich nun hin? Und was ist eigentlich mit all meinen alten Schwüren und Überzeugungen?

Klar, Punk hat mal mein Leben gerettet, aber das ist fast 20 Jahre her. Sicher, die APPD und der ganze Rummel um die Chaos-Tage waren auch eine tolle Erfahrung. Aber das läßt sich nicht so einfach fortsetzen. Schon deshalb, weil ich ja weiß, was da alles schiefgelaufen ist. Ich kenne die Sackgassen aus nächster Nähe. Ich muß mir anschauen, woran vieles gescheitert ist... muß mich fragen, ob ich überhaupt mit den richtigen Leuten zusammen gewesen bin.

Klar aber ist, daß ich das verdammte RECHT zum Überlaufen habe! Egal wohin! Es kann niemand von einem verlangen, immer wieder gegen die gleiche Wand anzurennen. Lieber neugierig sterben als abgestumpft weiterleben!

=> Aber was kann ich jetzt überhaupt noch tun? Was WILL ich tun? Und wo ist denn eigentlich diese "andere Seite", zu der ich überlaufen kann?

Überlaufen zu einem besseren Leben, interessanteren Leuten, einer echten Pespektive, das will ich! Nur sagt einem keiner, WIE dieses bessere Leben aussieht und WO diese interessanten Leute zu finden sind!

Und schon brüllen die älteren unter Euch im Chor: "Mach's wie wir! Es ist ganz einfach! Komm zu uns!" Also auf ganz normale Weise überlaufen, so wie es halt alle Ex-Rebellen irgendwann machen, so um die 30 oder 40: Flucht in die Beziehungskiste, Kinder zeugen und den ganzen alten Rotz von gestern vergessen.

Ich weiß, Ihr habt nur Hohn und Spott für diejenigen übrig, die sich mit diesem Schritt schwertun. Klar, je mehr es so machen wie Ihr, desto beruhigter könnt Ihr in den Spiegel schauen. Also ruft Ihr: "Werde erwachsen! Scheiß auf die Ideale von gestern! Nimm was Du kriegen kannst!"

Vielleicht habt Ihr ja recht. Ich könnte richtig Karriere im Beruf machen - man hat mir ja immer nachgesagt, daß bei meinen Fähigkeiten durchaus ein Haufen Kohle drin ist! Aber ob das auf die Dauer eine wirkliche Herausforderung wäre?

Spannender erscheint mir da schon eine klassische politische Karriere - ich weiß natürlich, daß ein geborener Demagoge wie ich für sowas wie geschaffen ist - z.B. in der PDS. Die suchen doch immer glaubhafte Leute, am besten mit spannender Vergangenheit und medientauglichem Auftreten. Wetten, daß ich da schnell Karriere machen könnte?

=> He... Politik bei den Linken machen, wo doch jede Menge Zeitzeugen dafür bürgen, daß ich entgegen irriger Annahmen in Wirklichkeit ein klar rechtes politisches und charakterliches Profil habe?

Ok, ich vergeß' es! Irgendwann falle ich bei den PDS-Fuzzis eh unangenehm auf. Sich dort durch den Parteiapparat zu beißen, wäre sicher der reinste Horror, von dem der anderen großen Parteien ganz zu schweigen.

=> Wieso nicht gleich zur anderen Seite, zur politisch Rechten? Dort gibt's immerhin noch was aufzubauen! Was für eine Herausforderung!

Und war ich bislang mit meinen "deutschen Tugenden" doch immer ziemlich allein auf weiter Flur, so wird man sie dort sicher zu schätzen wissen: Frühaufsteher, Ausdauer, Disziplin, Organisationstalent, Energie, Tatkraft, Zuverlässigkeit, Reaktionsschnelligkeit, Entschlußfreudigkeit. Eigenschaften, mit denen man sich heutzutage bei vielen Leuten eher verdächtig oder zumindest unbeliebt macht.

Und der Gedanke, in rechten Kreisen quasi zum Vordenker für "neue Ideen" zu werden, hat natürlich schon was. Man sieht ja, wie schnell der ExRAFler Horst Mahler bei der NPD zu Ruhm und Einfluß gekommen ist!

Könnte es gar meine Lebensaufgabe sein, die Rechte gründlich zu reformieren, von ideologischem Ballast zu befreien, von reaktionärem Gedankengut, vom Waffen- und Kriegsfetischismus ebenso wie vom geradezu zwanghaften Verdrängen vergangener und gegenwärtiger Schuld? Jemand wie ich, der mit Intellektuellen genauso kann wie mit "Leuten von der Straße" und auch der eher "harten Fraktion", hat da durchaus Chancen!

Wenn es nun so viele unübersehbare Anzeichen dafür gibt, daß ich kein "Linker" bin und auch die bürgerliche Welt nicht gerade als verlockende Alternative erscheint, mir aber auf der anderen Seite von einigen Leuten im "nationalen Lager" nicht nur Sympathien entgegengebracht werden, sondern man mich sogar zum "Überlaufen" auffordert, dann ist es wirklich an der Zeit zum Handeln.

Ebenso aber gilt die Parole: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet". Das kann nämlich schnell zur Ewigkeit werden, denn einen derartigen Schritt wird man mir in linken und antifaschistischen Kreisen niemals verzeihen. Ein "Zurück" kann es also nicht geben!

Andererseits: Ein späterer Ausstieg aus der rechten Szene ließe sich auch durchaus vergolden - z.B. als Buchautor und gern gesehener Talkshow-Gast unter dem Motto "Ein Aussteiger berichtet über die geheimen und perversen Praktiken der Neonazi-Szene!"

Allerdings - ich gebe es zu - quält mich tatsächlich eine gewisse Angst um meine körperliche Unversehrtheit. Würde ich wirklich zu Worch und seinen Kameraden überlaufen, müßte ich glatt meine Wohnung wechseln - meine Adresse ist recht bekannt - und ständig befürchten, von irgendwelchen Antifa-Strafkommandos plattgemacht zu werden. Kein sehr angenehmer Gedanke!

=> Ist also die Androhung und auch Durchführung brutalster "Erziehungsmaßnahmen" DAS geeignete Mittel, um mit den Nazis aller Coleur fertigzuwerden und den "braunen Sumpf" ein für allemal auszutrocknen?

Ich kann's mir nicht vorstellen. Zumal ich mich ja selbst gar nicht für einen "Nazi-Verbrecher" halte! Und auch in früheren Jahren hat mich die Androhung oder auch Ausübung von Gewalt nie davon abhalten können, die Dinge zu tun, die ich für richtig hielt. Völlig egal, ob dies in Gestalt von Polizei, Gericht oder irgendwelchen Schlägern geschah. Bereits am ersten Tag in Punk-Kluft entkam ich nur knapp einer Tracht Prügel. Aber deswegen klein beigeben? Niemals!

Meine über Jahre gewachsenen Freundschaften sind da schon ein größeres Problem: Würden meine Freunde und Bekannten kapieren, wenn ich plötzlich mit den "Nazi-Bestien" gemeinsame Sache mache? Würden sie mir gar diese Freundschaften kündigen? Ihr dürft ja nicht vergessen, daß ich mich in einem Umfeld bewege, wo die meisten Leute irgendwie "links" sozialisiert wurden!

Oder gar meine griechische Freundin: Wird sie mir noch länger abnehmen, daß mir ein irgendwie geartetes "übersteigertes Nationalgefühl" eigentlich gar nichts bedeutet und mir auch der in den Medien vielzitierte "dumpfe Ausländerhaß" völlig fremd ist? Würde daran unsere Beziehung zerbrechen?

Bin ich bereit, den durch Medien und Politik geschürten Haß einer ganzen Gesellschaft auf mich zu nehmen, die momentan im "Rechtsextremisten" den größten Feind von "Ruhe und Ordnung" sieht und um das "Ansehen Deutschlands" in der Welt fürchtet?

Nun, der Gedanke, verfolgt, gejagt, terrorisiert und zusammengeschlagen, von der Freundin verlassen, aus dem Job geworfen, vielleicht sogar ohne Wohnung, in meinem Bekanntenkreis geächtet oder gar bei der Polizei denunziert zu werden, obwohl ich niemanden angreifen, verletzen oder gar umbringen würde, gefällt mir wahrlich nicht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die sich in totalitären Systemen stets für ihre Meinung geradegemacht haben, obwohl dort derartige Verfolgungspraktiken geradezu perfektioniert sind. Und eigentlich möchte ich lieber zu genau dieser Sorte Mensch gehören und nicht zu denen, die mit den Wölfen heulen!

=> Aber sind nicht eigentlich die ganzen "Neonazis" und überhaupt die ganzen "Rechten" und "Nationalen" genau diejenigen, die Leute aufgrund ihrer Nationalität oder Gesinnung terrorisieren? Die damit Täter und nicht Opfer sind?

Tja, dem würde ich ja gerne zustimmen und damit die ganzen Gedanken rund ums Überlaufen in die Tonne treten. Was mich dann aber doch davon abhält, ist die irritierende Erfahrung, daß mir seit einiger Zeit immer mehr "Nationale" und "Rechte" über den Weg laufen, denen ihr "Deutschsein" herzlich wenig bedeutet und die auch in Ausländern keineswegs ihre "Feinde" sehen, sich gar mit ihnen verbünden wollen gegen erzwungene Völkerwanderungen, Entwurzelung und US-Vorherrschaft auf der Welt. Die das III. Reich ablehnen und gar ein eher anarchisches Lebensgefühl vertreten!

=> Ist all dies nur heuchlerische Taktik von Nazis, die mit ihren wahren Absichten hinterm Berg halten und ihre Ideologien und Mordpläne durch angebliche libertäre und menschenfreundliche Positionen verschleiern?

Welche Möglichkeiten habe ich überhaupt, das herauszufinden? Soll ich mich weiter auf das verlassen, was ich über die "Neonazis" aus SPIEGEL, BILD und Antifa-Flugblättern erfahre? Was ist überhaupt "rechts", was ein "Nazi", was ein "Linker", was ein "Autonomer"?

=> Was denkt Ihr? Wie würdet ihr diese Begriffe definieren? Woran erkennt Ihr einen Nazi, woran einen Linken? Schreibt mir, helft mir in dieser unglaublichen Begriffsverwirrung!

IN DER NÄCHSTEN FOLGE:
Wird die Suche nach den Unterscheidungsmerkmalen "linker" und "rechter" Politik eine Entscheidung bringen? Ist der "Nationale Widerstand" eine denkbare Alternative?
 


 
Kommentare
(Ergänzung schreiben)

 
„RECHTS" oder „LINKS"?
von patricium am 13.12.2005/10:56
Hallo Karl, vielen Dank für Deine Eingebungen in den Bunkerbriefen. Nun ja, Gefangenendilemma über Gefangenendilemma. Was für eine Scheiße. Aufbrechen alter und selbstgefälliger Strukturen wohlmeinender Fürsprecher müssen an die Tagesordnung kommen. Dahingehend und auch sonst hat die Frage nach RECHTS oder LNKS jenseits von Polemik keinerlei Bedeutung. Wir Menschen haben nämlich verlernt, anständig zu differenzieren – falls es vorallem unter uns Bundesdeutschen jemals die Fähigkeit zur Differenzierung gegeben hat. Wer macht denn noch Unterschiede alleine schon zwischen rechtsextrem, rechtsradikal, rechtsliberal, rechtanarchistisch, etc.? Keine Sau! Die einzigen Dinge, die wir im Zuge unserer Medienscheißerei fähig sind zu differenzieren, sind der Unterschied zwischen einem 5er BMW Baujahr 1999 und 5er BMW Baujahr 2005; der Unterschied zwischen einem NOKIA elfundneunzig C und einem NOKIA Fickenwirunsselbstindenarsch AK. Ich hab die ganze Pisse dick und schließe mich Dir an. Viele Grüße. P.

 
ÜBERLAUFEN!!!!!!!!!
von ich am 26.01.2006/10:45
ÜBERLAUFEN! ÜBERLAUFEN! ÜBERLAUFEN!!!! :)

los karl! komm auf die DUNKLE SEITE!
was für eine geile vorstellung!
karl nagel ist endlich einer von uns!
er ist unserer gehirn-manipulierenden dumpfbraunen propaganda erlegen und reiht sich endlich in scharen der DUNKLEN MACHT ein.

auch glaube viele von uns würden dich sogar begeistert als führer unserer lemminge-marsch-kolonne annehmen!

befiehl mein führer, wir folgen!!!

"nanananana FÜHRER!
nanananana FÜHRER"
(zitat simpsons-folge mit dem sektenführer)

gruß
ich

P.S.: LAUF ENDLICH ÜBER!!!!!!!!!!!

 
dER GROSSE hIRNFICK
von Foddes am 18.03.2009/20:03
Wow! Was für ein Hirnfick. Ich bin aus Nürnberg. Und da hab ich noch nicht mitbekommen, dass so ne verworrene Scheisse existiert (gottseidank). Da sind die Positionen noch klar. Du kommst aus der Hannoveraner Ecke oder? Wer hat den Leuten da in den Kopf geschissen.

Ich glaub ich schliesse mich "ich" an: LAUF ÜBER!!!

zum Seitenanfang
 
     
 
Achterbahn!
Menschen, Tiere, Sensationen! (=> Vorwort/2001)
Kann es sein? Ich ein Nazi-Schwein?
Wie tief steckt Karl Nagel im "braunen Sumpf"? (Bunkerbrief Nr.18/28.3.2001)
Die Angst des Überläufers vorm Elfmeter!
Über die hohe Kunst des richtigen Überlaufens: Weshalb, Wann, Wohin! (Bunkerbrief Nr.19/1.4.2001)
Es lebe die Braune Gefahr!
Auf der Suche nach den Nazi-Bestien... (Bunkerbrief Nr.20/3.4.2001)
Pickel, Pickel, nichts als Pickel...
Ein Blick auf Karl Nagels linksnationale Vergangenheit... (Bunkerbrief Nr.21/4.4.2001)
Nazis wie Du und ich...
Wie sich Punks und Linke ihre eigenen "Nazis" aus der Retorte schufen! (Bunkerbrief Nr.22/9.4.2001)
Von Links Leichengeruch - von Rechts die Verlockung des "Nationalen Widerstandes"!
Weshalb die Linke eine vergammelnde Leiche ist... (Bunkerbrief Nr.23/16.4.2001)
Nazis überall! Himmel hilf! Zu den Waffen!
Die erstaunliche Vielfalt des "Nationalen Widerstandes" (Bunkerbrief Nr.24/18.4.2001)
Zur Stelle, mein Führer!
Zum Führergeburtstag die ENTSCHEIDUNG! (Bunkerbrief Nr.25/20.4.2001)
Hit Me With Your Rhythm Stick!
Wie die Anti-Deutschen und andere Rassisten Adolf Hitlers Vermächtnis erfüllen... (Bunkerbrief Nr.26/30.4.2001)
Nie wieder antiFaschismus!
Raus aus der Polit-Scheiße - hinein ins wahre Leben! (Bunkerbrief Nr.27/30.4.2001)
Mensch oder Monster!
Wieso ich auf die ganzen Neurotiker und Schlafmützen verzichten kann! (Bunkerbrief Nr.28/6.5.2001)
An Bord einer gigantischen Fressmaschine!
Millionenfacher Blindflug ohne Halt und Verstand (Bunkerbrief Nr.29/13.5.2001)
Heimatlos.
Gestrandet in der schönen, neuen Welt! (Bunkerbrief Nr.30/24.65.2001)
Backe, Backe, Nazi!
Mit Rudolf Oberlercher und Rudolf Hess auf Du und Du... (Bunkerbrief Nr.31/21.8.2001)